Von Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit

Kurzansprache zum Friedensgebet am 18. Januar 2015
in der ev. Kirche in Burtschütz
anlässlich der Demos gegen ein möglicherweise kommendes Asylbewerberheim in Tröglitz

 

(voraus ging die szenische Lesung von Matthäus 25,31-40)

Aus der Bibel (Lukas 10,25-37)
Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.→ weiterlesen

Nehmt einander an

Predigt zur Jahreslosung 2015
Neujahr 2015

Neues Jahr, neue Vorsätze. Neues Spiel, neues Glück, sagt man. Nach dem Konzert ist vor dem Konzert, schrieb mir vor Weihnachten einer meiner Gospelsänger. Es geht wieder los. Zeitlich ein bisschen verschoben sind der Jahresanfang und der Beginn des Kirchenjahres. Aber noch ist auch der Neuanfang der Jesusgeschichten in unseren Ohren. Es ist ja noch Weihnachtszeit.

Zum neuen Jahr gehört seit vielen Jahren schon die neue Jahreslosung. Ein frisches Bibelwort, das uns ein Jahr lang begleiten wird. Ein Bibelwort, das uns zum Nachdenken anregt, das uns herausfordert. Ein Wort, das für manche unserer kirchlichen Veranstaltungen ein Motto geben mag. Ein Wort, das uns persönlich begleitet und dem wir uns hoffentlich mehr als einmal stellen werden.

Im vergangenen Jahr ging das Glück mit uns – und ist uns wirklich oft begegnet bei vielen öffentlichen Gelegenheiten. „Gott nahe zu sein ist mein Glück“, so haben wir es bekannt, hinterfragt, durchleuchtet, immer wieder gefeiert. Wir waren zum Kirchentag in Stößen zusammen. Uns als Gemeinden gegenseitig zu beglücken haben wir uns vorgenommen in der Gemeindeaktion. Manches davon ist schon geschehen, manches steht auch jetzt noch an. Das Glück, Gott nahe zu sein, begegnete uns in Liedern, in Gemeindeveranstaltungen, in Gottesdiensten – und hoffentlich hat es jeder an wichtigen Stationen des vergangenen Jahres selbst auch erleben dürfen. Das Motto von 2014 war vor allem auf die Beziehung zwischen Mensch und Gott ausgerichtet, sehr persönlich, sehr auf Gott und den Einzelnen bezogen.

In diesem Jahr 2015 wendet sich der Blick wieder verstärkt dem Nächsten zu – und lebt dabei von der Beziehung zu Gott. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob!“ (Römer 15,7) So fordert uns Paulus im Römerbrief auf. Das Glück, Gott nahe zu sein, bleibt nicht für sich, es bleibt nicht für mich allein, es sucht zugleich den andern auf, sucht den Nächsten. „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob!“→ weiterlesen

Frieden gesucht

Gottesdienst zum Volkstrauertag 2014

Lesung: Johannes 14,27-29

Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu euch. Hättet ihr mich lieb, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. Und jetzt habe ich’s euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es nun geschehen wird.

Evangelisches Gesangbuch Nr. 430: Gib Frieden, Herr, gib Frieden

Predigt zu 2. Korinther 5,1-10

Ja, so manches mal wünscht man sich, dass alles anders wäre. „Gib Frieden, Herr, gib Frieden.“→ weiterlesen

Gerecht – oder vielleicht barmherzig?

Predigt zu Römer 9,14-24

Im Gottesdienst ging die Lesung des Evangeliums voraus – Matthäus 20,1-16. Und gesungen wurden Strophen aus dem Morgenlied von Paul Gerhardt „Die güldne Sonne“ (EG 449, u.a. Strophe 6)

Ist Gott gerecht? Wer kann bei ihm ankommen und wer nicht? „Manchmal würde ich ihm gerne meine Meinung sagen“, – so denken wir gelegentlich vielleicht.
Es fängt ja schon bei dem Blick auf den Nachbarn an, dem so manches vielleicht besser gelingt als mir. Paul Gerhardt hat das trefflich in seinem Morgenlied formuliert: „Lass mich Freuden ohn alles Neiden sehen den Segen, den du wirst legen in meines Bruders und Nähesten Haus.“ Das ist nicht so leicht, wenn die Unterschiede gar zu groß werden beim Segen, der bei andern mehr zu finden ist als bei mir.
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Reformation – weil Gott sich auf dich freut

Predigt
zu Jesaja 62,6-12
Reformationstag 2013

Die Kirche – wieder einmal muss sie erneuert werden, wie so oft in ihrer langen Geschichte.
Die Schlagzeilen füllt der Limburger Bischof so langsam nicht mehr. Die bevorstehende Regierungsbildung in Berlin wird interessanter. Aber für ein paar Tage drehte sich alles um die Kirche, in der so viel verkehrt läuft. Sie ist zu reich, und sie kassiert doch auch nur überall ab.
Klar, dass die Verflechtungen zwischen Staat und Kirche auch wieder heiß diskutiert werden. Da, wo gespart werden muss – und das muss es ja überall – da schaut man, wer denn so alles Geld bekommt und wem man es kürzen könnte. Kirche ist ein beliebter Kandidat dafür.

Reformation – längst ist das, was mit Martin Luther vor 500 Jahren seinen Anfang nahm, selbst schon wieder in einem Stadium angekommen, das eine Reformation dringend erforderlich scheinen lässt. → weiterlesen

Ich denke an Gott und bin – betrübt?

Gottesdienst am 9. Juni 2013
in Draschwitz

Gerade ein paar Tage ist das Elsterhochwasser her – der Pegel ist wieder halbwegs normal, jetzt sind die Folgen der Überschwemmung zu spüren. Zwei der “Wasserdörfer” zwischen Profen und Bornitz waren überflutet, andere sind mit viel Einsatz, Bangen und Hoffen davongekommen. 

 

Predigt zu Psalm 77

Psalm 77,2-5
2 Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe, zu Gott rufe ich und er erhört mich. 
3 In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn; / meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab; denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. 
4 Ich denke an Gott – und bin betrübt; ich sinne nach – und mein Herz ist in Ängsten.
5 Meine Augen hältst du, dass sie wachen müssen; ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann. 

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Was Ostern mit Fischefangen zu tun hat

Predigt zum 2. Sonntag nach Ostern (Misericordias Domini)

Ostern liegt nun auch schon wieder ein paar Tage zurück. Die meisten Ostereier sind aufgegessen, die Schoko-Osterhasen gewiss auch. Noch singen wir Osterlieder, aber der Alltag ist auch da, mit seinen Höhen und Tiefen.

In Israel, damals, als Ostern wirklich nur ein paar Tage her war, geschah eine besondere Begegnung. Schon in Jerusalem hatte Jesus sich seinen Jüngern gezeigt. Manche erinnern sich an die Begegnung mit Maria Magdalena, die Jesus für den Gärtner hielt und die den Jüngern dann von Jesus erzählen sollte. Kurz später dann kam er selbst in den Kreis der Elf.  Große Aufregung. → weiterlesen

Osteraufbruch

Johannes 20,11-18

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

 

Heute singen wir vollmundig: „Christ ist erstanden“. Und der Osterjubel findet seine Grenze bestenfalls in unseren manchmal nicht so starken musikalischen Fertigkeiten. „Christ ist erstanden.“ – Heute! → weiterlesen

Blickverschiebung

Normalerweise haben es die Evangelischen nicht so mit Reliquien. Da ist es schon etwas Besonderes, wenn eine evangelische Kirche eine solche beherbergt.
Dennoch: Verwirrt und verwundert beobachte ich, was da geschieht: ein kleines, angeknackstes Tonkrüglein steht auf den zum Tisch umfunktionierten Kirchenbänken. Drumherum Denkmalschützer, Konservatoren, Domstifter, Pfarrer und ein paar andere. Wohl an die zehn Fotoapparate klicken (meiner auch, klar), strahlen ihre Blitze aus. “Oh” und “Ah” ob der feinen, textilen Reliquientäschchen in dem Krüglein. Es ist ja auch wirklich faszinierend – erzählt dieser Fund doch schon jetzt eine Geschichte über vergangene Zeiten, über Glauben, Hoffnung, Trost und Zuversicht. Und wird nach seiner eingehenden Untersuchung wohl noch mehr preisgeben.

Mich beschleicht ein eigenartiger Gedanke, denn plötzlich sehe ich obendrüber den “Herrn der Kirche” hängen – Jesus Christus. Und der guckt – zur Seite. Er guckt in die leeren Bänke, die auch sonntags meist leer bleiben. Heute beachtet ihn keiner, alle Blicke gelten dem Fund (der wohl nicht besonders kostbar ist, aber von großem historischen Interesse).

Vermutlich denkt in diesem Foto-Moment keiner daran, dass dieser Fund mit unserem Leben nichts Wesentliches machen wird – aber der da drüber hängt, alles in unserem Leben verändern kann.
Wir schauen so oft nach unten, nach den Kleinigkeiten, nach dem faszinierend Unwesentlichen, hängen dran, investieren dafür Kraft, Zeit und Geld (und kalte Füße – es waren -4 Grad).
Aber Leben gibt es bei dem, der nicht “unten” geblieben ist. Leben gibt es beim gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus. Wird Zeit, dass wir unsere Blickrichtung ändern und den wieder ansehen.

PS: den klassischen Bericht zum Ereignis gibt es natürlich auch.
http://noezz.de/index.php?id=339

Von Sehnsucht und der Suche nach dem Sehen

Sehnen Sie sich auch nach dem Frühling? Nach langen grauen Wintertagen wird es Zeit, dass es wärmer wird und die Natur wieder Farbe bekommt. Die Augen sehnen sich nach frischem Grün, sonnigem Gelb und himmlischem Blau. Sehnsucht – ist das nicht auch eine Seh-Sucht? Wintermüde wissen das. Und vielleicht verstehen es Verliebte am besten, denn die sind ja süchtig nacheinander, suchen sich zu sehen.
Seh-Süchtige gibt es aber noch viel mehr. Gar mancher ist heute der Fernsehsucht verfallen oder begegnet anderen nur noch in virtuellen Räumen wie Facebook oder anderen sogenannten Communities – Sehen ja, aber Begegnen nein. Dabei ist wirkliches, leibhaftiges  Sehen durch nichts zu ersetzen.
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