Endlich Wochenende!
Gedanken darüber, warum der freie Tag, der Ruhetag, sogar in den 10 Geboten steht.
Im Gottesdienst dazu wurde zuerst das Lied gesungen: “Gott Lob, der Sonntag kommt herbei” (Evangelisches Gesangbuch Nr. 162)
Predigttext aus Markus 2,23–28
Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.
Predigt
„Gott Lob, der Sonntag kommt herbei.“ Ich weiß nicht, wie es Ihnen ging vor drei Wochen, als Tag der Deutschen Einheit war. Ein Feiertag am Wochenende? Da denkt doch keiner dran. Mir fiel es reichtzeitig genug am Freitag ein, so dass wir noch ein paar Kleinigkeiten holen konnten. Andere sagten: „Ach, da geh ich morgen noch einkaufen.“ „Morgen? Da ist Feiertag. Denk dran!“
„Gott Lob, der Sonntag kommt herbei.“ Manchmal kann uns auch dieser regelmäßige freie Tag querkommen, oder? Da wäre dieses und jenes noch zu erledigen. Was aber nur dann geht, wenn einer zu Hause arbeitet, im Homeoffice. Als das Wasser im Rhein und anderen Flüssen ziemlich flach wurde, wurde das Sonntagsfahrverbot für LKW teilweise aufgehoben, damit Waren dennoch transportiert werden können. Manche Händler wünschen sich mehr verkaufsoffene Sonntage. Was wäre da noch mehr an Geld zu machen, wenn die Menschen rund um die Uhr an jedem Tag einkaufen gehen könnten.
„Gott Lob, der Sonntag kommt herbei.“ Für andere ist es ein Glück. „Endlich Wochenende“ sagen viele erleichtert. Ruhe. Ausschlafen. Garten. Lesen. Wegfahren. Keine dienstlichen Anrufe. Wunderbar.
Wir begegnen Jesus und seinen Jüngerinnen und Jüngern. Die sind unterwegs. Am Sabbat. Für diesen Tag gibt es klare Regeln, gute Regeln (2. Mose 20,8–11):
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.
Es ist Ruhetag. Für alle. Für Mensch und Tier. Für Einheimische und Fremde. „Endlich Wochenende“ für alle. Warum? Weil Gott selbst ruht. Und an diesem Genuss lässt Gott alle teilhaben. Als Gott alles geschaffen hatte, was ihm vorschwebte, schaute er sich alles an und sagt: „Es ist sehr gut.“ (1. Mose 1,31). Perfekt ist das Werk gelungen und Gott lehnt sich zurück und genießt, was er geschaffen hat. Er schaut sich alles an. Er freut sich am Sonnenlicht und dem Spiel der Wolken. Er beobachtet die Fische im Meer, die großen und die kleinen. Er schaut den Vögeln zu. Die einen flattern ganz aufgeregt, die anderen gleiten majestätisch durch die Lüfte.Bunte Schmetterlinge schwirren scheinbar ziellos umher und wissen doch, wohin sie wollen. Ein Löwe gähnt, völlig entspannt liegt er in der Sonne.Alles ist wunderbar. Ihr Menschen, genießt diesen Anblick. Nehmt euch die Zeit dafür.
Damit wir es nicht vergessen, setzt Gott den Ruhetag ein. Alle sieben Tage ist Pause, damit wir den Kopf frei bekommen von Arbeit und genießen. „Du sollst den Sabbattag halten.“ Was das alles bedeutet? Na, nichts machen! Keinen LKW fahren, um Waren zu transportieren. Kein Geschäft öffnen, um Sachen zu verkaufen. Keinen Hammer in die Hand nehmen, um einen Nagel einzuschlagen. Das schont ja auch die Nerven des Nachbarn. Keinen Rasen mähen – das schont seine Nerven noch mehr. Aber auch keine Ähren raufen. Denn das ist ja nichts anderes als Ernten, also Arbeit.
Die Jüngerinnen und Jünger aber haben Hunger. Oder zumindest Lust auf etwas zu essen. Und sie raufen Ähren aus. „Das geht aber nicht“, bekommen sie zu hören. Oder noch anders: Jesus bekommt es zu hören. Denn er ist der Meister, der offensichtlich seine Jünger nicht im Griff hat.„Gott Lob, der Sonntag kommt herbei.“ Und sorgt für Ärger. Dabei müsste das gar nicht sein.
Jesus hat ein Beispiel. „Ihr kennt doch die Geschichte von David?“, fragt er. Der war der zweite König Israels. Als er noch nicht König war, kam er mit seinen Gefährten zu einem Priester, der für das Heiligtum Gottes zuständig war. David hatte Hunger und seine Leute auch. „Hast du etwas zu essen für uns?“ „Nur das Brot, das für Gott als Opfergabe hier ist.“ Das durften nur die Priester essen. Aber der Priester gab David diese Brote. Es gab nichts anderes. Und so wurde das Brot Gottes für David und seine Leute zum Lebensretter. Brot, das Gott gehörte (1. Samuel 21,2–7).
So, wie Gott alles gehört. Er ist der Schöpfer. Er braucht von uns keine Gaben, damit er nicht verhungert. Umgekehrt ist es: Gott versorgt uns. Vor zwei Wochen erst haben wir Erntedankfest gefeiert und Gott dafür gedankt, dass er uns versorgt hat. Gott lässt uns an dem teilhaben, was das Leben ermöglicht. Dazu hat er doch alles geschaffen, damit wir leben – in einer wunderbaren Welt, mit allem, was wir zum Leben brauchen. Und mit so vielem, an dem wir uns freuen können.
Das gilt auch für den Ruhetag. Gott hat ihn nicht schaffen müssen. Aber er hat ihn eingesetzt. Für uns. Für seine Menschen. Zu unserem Wohl. Das zeigt Jesus in seiner Antwort. Warum gibt es den Ruhetag, den Sabbat, den Sonntag? Damit wir Menschen Anteil haben an Gottes gesamter Schöpfung. Dazu gehört die Ruhe, die Erholung für Leib und Seele bringt. „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“
Dass es den Ruhetag gibt, ist ein Segen für mich. Es ist ein Segen für alle Menschen. Niemand kann ununterbrochen durcharbeiten. Das merken diejenigen, die das oft müssen – etwa Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, die mehrere Schichten hintereinander machen müssen, etwa weil Personal fehlt. Das merken viele, die auf einmal mehr arbeiten müssen – weil gerade so viel angefallen ist, das fertig werden soll. Das geht für eine kurze Zeit und dann ist es vielleicht auch in Ordnung. Aber wo es zum Dauerzustand wird, gehen Menschen daran kaputt.
Wir sind so geschaffen, dass die Ruhe ein Teil unseres Grundprogramms ist, ein Teil unseres Betriebssystems, kann man im Computerzeitalter sagen. Wenn wir nicht ab und an, nein, wenn wir nicht regelmäßig abschalten, geht unser Betriebssystem in den Notfallmodus oder fällt ganz aus. Um unsertwillen ist der Sabbat fest in die Ordnung der Schöpfung integriert. Wer ihn löscht, beschädigt gewissermaßen das Betriebssystem.
Gott segnet uns, er beschenkt uns mit dieser Einrichtung. Und diesen Gedanken kann man auf alle Gebote erweitern. Wir sind nicht dazu geschaffen, dass wir Gebote um der Gebote willen erfüllen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Menschen das so sehen.
Etwa wenn der Vorwurf kommt – und wir vielleicht dafür auch belächelt oder spöttisch bemitleidet werden: „Ihr Christen dürft ja nichts. Alles ist euch verboten. Lachen, fröhlich sein, feiern – alles verboten.“
So ein Quatsch. Menschen denken, dass wir ständig irgendwelchen Geboten und Verboten hinterherhecheln müssen, damit wir Gott auch gut gefallen. Und womöglich gibt’s diesen Gott gar nicht. Das kommt dann noch obendrauf.
Es ist völlig anders. Gottes sagt nicht: “Jetzt habe ich mir so viele Gebote ausgedacht. Jetzt brauche ich aber noch jemanden, der sie auch hält.“ Und zack – hat er den Menschen geschaffen. „So, lieber Mensch, hier hast du eine Liste von Geboten. Halte sie, damit ich mich freue und es mir gut geht.“ Hat Gott nicht gemacht und hat er nicht gesagt.
Er hat eine fantastische Welt geschaffen. Und er sagt: „Hier, diese großartige Welt gebe ich dir. Lebe darin. Gestalte sie. Mach was draus. Werde Mit-Schöpfer, Mit-Gestalter. Werde selbst Creator.“
Und die Gebote? Konkret der Ruhetag? Mensch, dir soll es gut gehen. Wenn Gott seine Schöpfung genießt, sollst du sie auch genießen. Du bist sein Ebenbild. Gönn dir die Ruhe, denn Gott schenkt sie dir. Gönn dir deine Beziehung zu dem lebendigen Gott. Freu dich an ihm. Du darfst mit Gott reden. Du darfst über ihn staunen. Du darfst in seiner Nähe leben und bist bei ihm geborgen. Gönn dir! Gönn dir ein Leben, das andere nicht berauben muss. Gönn dir ein Leben, das frei ist von Neid und Habgier. Gönn dir die Freude an dem, was du hast. Gönn dir das Glück, Eltern zu haben. Gönne es dir und gönne es anderen. Feiere das Leben.
Gott schränkt uns nicht ein. Er gibt uns Freiraum für ein erfülltes Leben. Ob wir die Gebote, auch das Sabbatgebot, aus dieser Perspektive betrachten könnten? Dann würden wir nicht die Nase über andere rümpfen, die die Gebote Gottes nicht nach unseren Vorstellungen erfüllen. Wir würden einfach vorleben, wie viel Freiraum wir durch Gottes An-Gebote haben.
Psalm 119 – das großartige und sehr lange Loblied auf Gottes Gebote – fängt mit den Worten an (Psalm 119,1–3): “Wohl denen, die ohne Tadel leben, die im Gesetz des Herrn wandeln! Wohl denen, die sich an seine Zeugnisse halten, die ihn von ganzem Herzen suchen.” In der Übersetzung „Die Schrift“ von Martin Buber und Franz Rosenzweig klingt das so: “O Glück ihrer, die schlichten Wegs sind, die in Seiner Weisung gehn, o Glück ihrer, die seine Zeugnisse wahren, die mit allem Herzen fragen nach ihm!”
Da schaut einer auf die Gebote, auf die Weisungen und Wege Gottes und sagt: O Glück! Was für ein Glück, dass Gott mir seine Wege zeigt und dass ich darauf unterwegs sein kann. Was für ein Glück für mich!
„Gott Lob, der Sonntag kommt herbei!“ Gott beschenkt uns mit dem Ruhetag reichlich. Er beschenkt uns mit seinen An-Geboten, damit wir leben. Feiern wir sie. Amen.
